Petre Smaranda

sie ist meine berufung.

Geboren 1968 in Mizil/Rumänien. Abitur am Liceu in Urlati
1991 Studienabschluss am Waldorflehrerseminar in Bukarest/Rumänien
1991–1998 Eurythmie- und Bühnen­ausbildung am Eurythmeum Stuttgart
Seit 2014 als Dozent in der Eurythmie­ausbildung tätig

Ich stamme aus Urlati, einer kleinen Stadt im Südosten Rumänien. Eurythmie kannte ich gar nicht... Eine Kollegin von mir besuchte damals in Sibiu (Hermannstadt) die erste Tagung über Waldorfpädagogik und erzählte mir: „Wir haben dort Eurythmie gemacht! Das wäre was für dich!“ – „Eurythmie? Was soll das denn sein?“ Ich war neugierig geworden.

In der neunten Klasse hatte ich eine Kunstschule in Bukarest besucht, aber das Schicksal führte mich wieder in meine Heimatstadt zurück, wo ich am örtlichen „Liceu“ später auch mein Abitur machte. Im Herbst 1990 stellte ich mich im Lehrerseminar in Bukarest vor. Wir hatten dort bei Georgine Kares Eurythmieunterricht, und daraus hat sich dann eine Gruppe von Studenten gebildet, die intensiver Eurythmie machen wollte. Nach einiger Zeit gingen wir als ganzer Kurs nach Stuttgart: 101 Menschen aus Rumänien! Wir haben dort sogar eine Eurythmieaufführung gegeben. Danach durfte eine kleine Gruppe von uns nach Stuttgart gehen, um dort Eurythmie zu studieren. Das war 1991 – und ich bin nun inzwischen 27 Jahre hier. Es ist eine reiche Zeit gewesen, schwer, aber auch sehr schön.

Eine einschneidende Erfahrung war es, als ich als Student für einen der ersten Abschlüsse die Rolle des „Architekten“ im Gedicht „Der Lattenzaun“ von Christian Morgenstern darstellen sollte. Es war das erste Mal, dass ich ganz allein vor vielen Leuten auf der Bühne stand. Das kostete mich Überwindung – etwas von mir nur durch meine Bewegung zu zeigen. Musik, Malen, Singen – das war mir durch meine frühere Ausbildung vertrauter. Beim Malen hatte mir vor allem das Karikieren gut gefallen! Vielleicht stammt daher meine Neigung zu heiterer Eurythmie und Humoresken...

Als ich im 3. Studienjahr war, durfte ich mit dem Else Klink Ensemble beim „Parsifal“ von Richard Wagner an der Staatsoper mitmachen. Die Geschichte von Parsifal, die Eurythmie dazu – es war ein großes Erlebnis, dabei zu sein.

Ja, ich hatte viele Rollen in dieser langen Zeit, viele Erlebnisse. Auf der Bühne zu stehen neben Isolda Sagrestano, Christa-Maria Schmidt, Michael Leber, Benedikt Zweifel und all den vielen anderen Kollegen, das war mir eine große Ehre und Freude. Und dann all die großen Tourneen...

Später gab es dann die Zusammenarbeit mit dem Dornacher Ensemble unter Carina Schmid in den drei Sinfonie-Eurythmie-Projekten. Es war erst einmal ganz schön schwierig, bis diese beiden Ströme, die Dornacher und die Stuttgarter Eurythmie, zusammenkamen. Mit der Zeit wurde es aber wie selbstverständlich – in eigenen Bewegungsstrom zu stehen und gleichzeitig mit den anderen Kollegen eine gemeinsame Ebene zu haben. In einem Interview habe ich damals gelesen, dass Wissenschaftler festgestellt hatten:

Vergeben hat eine Wirkung, es verändert den Menschen bis in die DNA hinein. Man wird sozusagen ein anderer Mensch, wenn man vergibt. Ist das nicht eine grandiose Tatsache? Etwas in einem gewissen Sinne Vergleichbares habe ich damals in den Sinfonieprojekten erlebt: wir alle haben uns damals geöffnet für das Andere und den Anderen, und es geschah ein Wunder.

Das Unterrichten am Eurythmeum macht mir Freude. Ich mag es, ein gutes und freies Verhältnis zu den Studenten zu haben. In meinem Unterricht sollen die Studenten eintauchen können und aus sich selbst heraus schöpferisch werden, ohne dass ihnen alles vorgemacht wird. Selbständig forschende Menschen auszubilden, das ist mir ein Anliegen. Das liegt natürlich nicht immer jedem, aber es ist möglich, im Kurs so eine Stimmung zu schaffen, dass der ganze Kurs forscherisch vorgeht.

Ich lebe gerne in Stuttgart, ich mag die vielen Parks und die waldreiche Umgebung. Und man muss nicht weit fahren, dann beginnt schon das Land – bei Degerloch oder Sillenbuch fängt das bereits an. Die Weinberge, der Neckar: das alles erinnert mich auch an meine Heimatstadt, die liegt auch auf zwei Hügeln mit Wäldern und Weinbergen drum herum.

Morgens auf der Terrasse sitzen und Steiner lesen – damit beginne ich gern den Tag. Mit Zigarette und Kaffee, das gehört bei mir dazu! Dabei finde ich dann oft Stellen, die mir beim Unterrichten helfen. Die Anthroposophie und die Eurythmie sind nicht voneinander zu trennen, eins bedingt das andere.

Als ich jung war, habe ich vieles ausprobiert, ich war auf einer unbestimmten Suche und hätte vieles werden können. Erst als ich dann in Stuttgart mit dem Abschluss fertig war, war mir klar: Die Eurythmie ist mein Beruf, meine Berufung. Nach der Ausbildung konnte ich es überblicken: Eigentlich hat meine ganze Suche mich dahin geführt, zur Eurythmie.

Wenn man so lange am Eurythmeum ist wie ich, spürt man diese Zeitenwende jetzt wie einen Bruch. Es gibt so viele Möglichkeiten – wie wird sich die Zukunft gestalten? Haben wir wieder die Möglichkeit, in die Welt hinaus zu ziehen, oder müssen wir das Ganze bewusst kleiner fassen? Mich zieht es auf die großen Bühnen der Welt, ich wünsche mir wieder große Tourneen, wie es damals war, als wir nach Amerika, Neuseeland, Japan gegangen sind... aber ob das noch realisierbar ist? Eine offene Frage. Ich bin gespannt, wie sich das Eurythmeum im kollegialen Miteinander entwickeln wird.

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