Milan Tannert

sie ist die wahrheit.

Geboren 1987 in Mayschoß/Rheinland, Abitur an der Freien Waldorfschule Neuwied
2008–2012 Eurythmie- und Bühnen­ausbildung am Eurythmeum Stuttgart
2012–2013 Master in Eurythmiepädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart
Seit 2016 als Dozent in der Eurythmie­ausbildung tätig

Eigentlich wollte ich Maler werden... Ich stamme aus dem Rheinland bei Koblenz und bin dort auf die Waldorfschule gegangen. Danach hat es mich – der Liebe wegen – nach Heidelberg verschlagen. Ich habe dann Kunstgeschichte studiert – genau vier Wochen lang! Dann war mir klar: Das ist interessant, aber ich kann das nicht mein Leben lang machen. Dann erinnerte ich mich: „Eigentlich wolltest Du ja schon immer Eurythmie machen, hast Dich aber nicht getraut...“ Für einen jungen Mann ist das eine Mutfrage! Aber ein positives Umfeld kann helfen – bei mir was es meine Mutter, die mich total unterstützt hat.

So bin ich dann 2008 ans Eurythmeum gekommen, habe das Studium 2012 abgeschlossen, anschließend den Master gemacht und die Bühnenausbildung durchlaufen. Seit 2016 bin ich nun auch Dozent in der Eurythmieausbildung.

Ein prägendes Erlebnis war für mich eine „Eurythmie-Sinfonie“-Aufführung 2008, da hatte ich gerade mit dem Studium begonnen. Der dritte Satz von Schostakowitschs op. 73a – was ich da von den Stuttgarter Eurythmisten gesehen habe, hat mich so ergriffen, dass ich wusste: „Das will ich auch machen!“

Stuttgart als Stadt ist nicht unbedingt meine Lieblingsstadt – aber in meinem Umfeld als Eurythmist, mit all den anthroposophischen Institutionen herum, da fühle ich mich wohl.

Als ich hierher kam, hatte ich keine Ahnung von der Historie, vom Zwist zwischen den Eurythmieschulen um die „rechte Lehre“. Ich war überzeugt, die Eurythmie ist ein Einweihungsweg und war erst mal schockiert, dass es da so viele Spannungen, so viel Verschlossenheit gibt. Denn mir selbst ist Toleranz ein sehr wertvolles Gut! Mit der Zeit habe ich mehr von der Vergangenheit erfahren und konnte nachvollziehen, wie sich die Konflikte entwickelt hatten. Aber so richtig verstehen tue ich das bis heute nicht.

Es war für mich eine gewisse Enttäuschung, dass die innere Entwicklung nicht immer dem von der Eurythmie geforderten Ideal standhält. Man individualisiert sich sehr stark, wenn man eine solche Ausbildung durchläuft. Und manchmal entwickelt man sich zwar als Individuum, aber nicht als Mitmensch. Das beschäftigt mich sehr, auch wie man das im Unterricht vielleicht anders veranlagen könnte....

 

Am Eurythmeum verändert sich gerade vieles. Viele alte Muster vergangener Tage halten den Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr stand, da können wir uns für die Zukunft noch besser aufstellen.

Aber die Eurythmie am Eurythmeum lebt aus einer tiefen Quelle, einer positiv durch die Zeiten getragenen Tradition, aus deren Geist heraus gearbeitet wird. Und in der künstlerischen Arbeit ist das auch absolut professionell, es geht immer um die Sache. Auch wenn der Stundenplan für uns manchmal hart ist – es kommt etwas dabei heraus.

Meine Beziehung zur Eurythmie hat sich im Laufe der Zeit verändert. In der Schule trug mich ganz stark das Bild eines Christus-Impulses, das hat mich als Schüler beflügelt. Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Reinheit – dass das, was ich da mache, eine geistige Realität wird. Demut!

Im rein Künstlerischen ist das nicht ganz so leicht zu finden, und doch bleibt in mir immer das Bedürfnis, in die Tiefe zu gehen. Nicht Kultus auf der Bühne ist meine Sehnsucht, aber ein Vertiefen, tiefer mit dem Bewusstsein einzudringen in meine Kunst – man schafft das nicht immer, aber wenn man es schafft, strahlt es aus, auch für den Ort.

Im Unterricht versuche ich ebenfalls, Wahrhaftigkeit zu vermitteln, die Wesenhaftigkeit der Dinge, den Umgang mit realen Kräften und Verhältnissen Es ist ja nicht so ein äußeres ABC, man muss sich mit allem tiefinnerlich verbinden. Ich bemühe mich, im Unterricht starke Bilder und Stimmungen zu erzeugen, damit die Studenten eintauchen können. Es muss eine Unterrichtsstimmung entstehen, in der die Studenten sich seelisch öffnen können, dass das Empfinden sich schulen kann an Bildern und Stimmungen und in jede Bewegung Seele hineingetragen wird. Jede Art von Leistungsdruck stört diesen Prozess.

Meine kleine Familie ist mir sehr wichtig. Es ist einfach das allerschönste, wenn ich vom Eurythmeum nach Hause komme und Kinderaugen strahlen mich an! Diese Freude, wenn der Papa heimkommt, das gibt mir ganz viel. Und auch wenn es mal kollegiale Unstimmigkeiten gibt – zuhause löst sich das alles auf vor der Liebe des Kindes. Das ist wie eine innere Hygiene. Allerdings ist der Schlafmangel auch ganz schön anstrengend – von den Ferien zuhause erhole ich mich dann im Eurythmeum...

Meine Vision für die Zukunft ist es, dass das Kollegium es schafft, die Quellen der Eurythmie zu bewahren und gleichzeitig wach zu sein für die Bedürfnisse der Zeit, die Anforderungen aus der Zukunft. Die Tradition in Zukunft verwandeln, die Menschen wahrnehmen, was für Bedürfnisse, Fragen, Qualitäten sie mitbringen – und dann die Arbeit darauf einstellen, auf das, was aus der Zukunft kommen will.

„Das Künftige ruhe auf Vergangenem – Vergangenes ertrage Künftiges“ – die Steinbock-Strophe aus den „Zwölf Stimmungen“ passt gerade perfekt zu uns.

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