Dong-Won Lim

sie ist meine seelisch-geistige sprache.

Geboren in Cheong-Ju/Südkorea, Violoncello­studium an der Kyung-Hee Universität
2004–2012 Eurythmie- und Bühnen­ausbildung am Eurythmeum Stuttgart
Seit 2013 als Dozentin in der Eurythmie­ausbildung tätig

Ich bin seit 2004 am Eurythmeum. Die Eurythmie habe ich in meiner Heimat Südkorea kennengelernt, im Zusammenhang mit der Waldorfpädagogik, die damals bei uns ganz in den Anfängen war.

Ich hatte Violoncello studiert und war an verschiedenen Musikschulen und in Orchestern in Seoul tätig.

Aber trotz meiner Freude an der Musik blieb da ein Gefühl der Leere, wie ein inneres Loch, weder das Unterrichten noch die Konzerte oder das Alleine üben haben mich wirklich erfüllt. Ich konnte das nicht wirklich mit dem „Menschen“ an sich zusammenbringen – und ich wollte unbedingt etwas mit dem inneren Menschen, mit der Seele tun. Es gab wie eine Wand vor mir, durch die ich nicht durch kam. Ich wusste, ich muss mich auf die Suche machen. Und bei dieser Suche bin ich dann über Rudolf Steiner gestolpert. Ich habe gespürt, dass hier Mensch, Seele und Geist zusammenkommen. Das wollte ich verstehen lernen! In Korea gab es zu der Zeit damals wenig Anthroposophie, also bin ich erst einmal nach Deutschland gegangen.

Dort habe ich 6 Monate in einem Kindergarten in Bielefeld hospitiert und dachte zunächst, das könnte mein Weg werden. In Korea gab es ein Kindergartenseminar, mit Dozenten aus Stuttgart, da hatten wir dann auch jeden Tag Eurythmie. Koo-Ji Roggenkamp, die sehr viel dafür getan hat, dass der anthroposophische Impuls nach Korea getragen wurde, hat mich dabei beobachtet und mir empfohlen, die Eurythmie weiterzuführen. Dazu kamen dann noch private Umstände, die den Weg in den Kindergarten nicht mehr stimmig erscheinen ließen. So bin ich dann nach Stuttgart gefahren und habe im Eurythmieunterricht hospitiert – und trotzdem ich kaum ein Wort deutsch sprach, habe ich alles „verstanden“! Das war der Auslöser, dass ich mich entschied: Das fange ich an.

Ein tiefer Eindruck war der 2. Satz aus der 7. Symphonie von Beethoven, im ersten Symphonie-Eurythmie-Programm, das ich damals, 2006, in Filderstadt gesehen habe. Ich bin ja selbst Musikerin – und hier konnte ich jedes Instrument in der Bewegung sehen! Die Bratschen, die Bläser, die Pauken – alles war so fein choreografiert! Das Sichtbarwerden der Musik, die Menschen als klingende Instrumente, das war eine erhebende Erscheinung. Alles das, was ich später als Gesetzmäßigkeiten lernte, war mir im Anschauen sofort schlüssig: Die Pauke muss stehen! Die Geigen bewegen sich rund, die Flöte gerade – ja, ja, ja, genauso hört sich das an! Diese Aufführung wird mir immer unvergesslich bleiben, und in mir wuchs die Sehnsucht, so etwas selbst gestalten zu können. Ich habe mich damals gar nicht auf der Bühne gesehen, sondern wollte vor allem das Choreografieren lernen.

Eurythmie ist meine seelische und geistige Sprache geworden, ich kann mich ohne Worte als Seele, als Geist offenbaren. In der Ausbildung ist es mein Ziel, den Studenten die Musik nahe zu bringen, das Musikalische an sich. Sie sollen es mit Freude tun, die Musik genießen durch die Eurythmie. Ich möchte es einfach machen. Musik ist nicht kompliziert – man kann lernen, der Seele in der Musik zu vertrauen.

Natürlich braucht es auch musikalische Erkenntnis, die Formensprache, das Stilempfinden – aber im Kern ist es die Seele, die die Musik erlebt. Und das kann eigentlich jeder Mensch! Wer wirklich hinhört, der erlebt. Diese Erlebnissphäre darf nicht durch Erkenntnisse gestört werden, denn dann verliert man das Vertrauen ins eigene Erleben. Das Erleben ist immer zuerst da! Und in diesem Sinne ist jeder musikalisch. Regeln und Prinzipien kann und soll man lernen, aber mit Freude, und ohne das Urerlebnis an der Musik zu zerstören.

Heute habe ich eigentlich keine Zeit mehr zum Cellospielen, die Musik in meinem Innern ist in die Eurythmie eingegangen, und so vermisse ich es nicht so sehr. Ich bin da auch geprägt durch den Perfektionswahn meiner Ausbildung, das macht das Cellospielen manchmal richtig stressig. Deshalb entspanne ich mich heute mehr beim Klavierspielen.

In Stuttgart lebe ich gern, und schätze vor allem das reiche kulturelle Angebot: Oper, Konzert, Ballett...

In meiner Bühnentätigkeit suche ich „meine“ Eurythmie – und da bin ich immer auf dem Wege. Für den Unterricht ist es sehr wichtig, das als Basis zu haben, meine eigene Suche ist die Quelle meines Unterrichtens. Besondere Freude habe ich heute am Choreografieren für die Bühne – es ist wunderbar, wenn die Kollegen sofort umsetzen können, was ich vorschlage. Im Unterricht ist es mehr ein prozesshaftes Pflegen des Angelegten – in der Bühnenarbeit sehe ich meine Ideen real und sofort in Erscheinung treten.

Mein Weg zur Eurythmie ging durch die Anthroposophie – um Anthroposophie zu vertiefen, bin ich zur Eurythmie gekommen. Am Eurythmeum findet Anthroposophie vor allem in der Kunst selbst statt, sie hat sich sozusagen spezialisiert. Die rein inhaltliche Seite würde ich selbst gern noch mehr vertiefen, sozusagen noch mehr Boden unter den Füßen zu gewinnen, um noch mehr blühen zu können.

In der Eurythmie suche ich das Vieldimensionale, die Erweiterung des eigenen Stils, das ist ein wichtiger Aspekt der Kunst für mich. Und die jungen Menschen, die zu uns kommen, suchen diese Vielfalt. Das ist unser Weg in die Zukunft.

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