Astrid Infantas

sie hüllt mich in laute und töne.

Geboren in Lima/Peru, nach dem Abitur Fremdsprachlehrerin für Englisch und Lehrerin für Peruanische Volkstänze
2005–2013 Eurythmie- und Bühnenausbildung am Eurythmeum Stuttgart
Seit 2017 als Dozentin in der Eurythmieausbildung tätig

Ich bin in Lima/Peru geboren und aufgewachsen. Es war ein recht verschlungener Weg, wie ich zur Eurythmie fand... Mein Bruder machte mit seiner Musikgruppe eine Europatournee und lernte dort eine Waldorfschülerin kennen. Sie brachte unserer Familie bei ihrem Besuch in Peru den ersten Kontakt zur Anthroposophie.

Ich war damals in der 9. Klasse. Sie kam mit der ganzen „Waldorfluft“ um sich herum zu uns, Backen, Handarbeit, Geige spielen... ein ganz fremder Klang für mich. Sie erzählte viel von der Waldorfschule und der Pädagogik – meine Mutter, die als Lehrerin arbeitet, war begeistert, denn sie hatte viele Elemente bereits intuitiv angewendet. Meine Cousine ging dann zum Waldorflehrerseminar in Lima und hatte dort auch eine Epoche Eurythmie. Zu ihrem Abschluss kam die ganze Familie, alle sechs Onkel und Tanten waren dabei! Alle – außer mir, denn ich hatte eine Vorbereitung für eine Prüfung an dem Tag. Und alle meine Verwandten fanden den „deutschen Tanz“ wunderschön, und beschlossen: „Das muss Astrid lernen!“ – denn ich habe schon immer gern und viel getanzt, der Volkstanz spielt in meiner Kultur eine große Rolle.

Ich sollte also diesen Tanz lernen – dabei hatte ich ihn ja gar nicht gesehen...

Parallel zur Oberstufe besuchte ich täglich die Englischsprachschule, sodass ich direkt nach der Schule auch das Zertifikat fürs Unterrichten in Sprachschulen bekam und direkt mit dem Unterrichten in verschiedenen Schulen beginnen konnte. Darüber hinaus war ich auf der Suche nach einem geeigneten Studium und hatte mich eigentlich für Physiotherapie entschieden – durch Bewegung heilen, das sprach mich an. Ich hatte schon die Aufnahmeprüfung der Universität bestanden, dann kam Eurythmie dazwischen.

Ich bin mit dem Volkstanz aufgewachsen. Mein Herzenswunsch war es, auf der Bühne zu stehen, mein tiefster Traum, die Menschen durch meine Bewegung zu berühren. Dass sie wieder Hoffnung schöpfen, sich mit einem Höheren verbinden zu können. Das war es, was mich damals mit 17 beflügelte. Mit dem Volkstanz war das aber nicht zu verwirklichen – Volkstanz ist nur ein Bild. Außerdem wäre das kein Beruf gewesen, in Peru kann das einfach jeder.

Ich wurde also von meiner Familie überredet, ans Lehrerseminar zu gehen – in der Hoffnung, dass diese Eurythmistin, es war Christine Plantiko, wiederkäme. Sie kam – und es war eine Offenbarung für mich! Das dreiteilige Schreiten: Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft, alles lag darin. Bei jedem Vokal, jedem Konsonanten hatte ich das Gefühl: „Das ist es! Es kann gar nicht anders sein!“

Ich wäre für das Eurythmiestudium gerne auf eine portugiesisch- oder englischsprachige Schule gegangen, aber meine Lehrerin sagte: „Wenn Du Eurythmie lernen willst, musst Du nach Stuttgart gehen. Und Du musst Deutsch lernen, und Steiner im Original lesen!“ Ich fing also an Deutsch zu lernen – wieder eine neue Fremdsprache! Englisch mochte ich eigentlich lieber… In dieser Zeit, vor meinem Aufbruch in die Ferne, waren wir alle wie in einer Wolke. Niemand hat wirklich nachgedacht – als ich in Deutschland ankam, hatte ich weder Heft noch Stift.

Die Zeit der Ausbildung in Stuttgart war sehr aufregend. Ich wohnte damals in Winterbach, allein in einem großen Haus, das eigentlich zum Verkauf stand – es war ganz leer, bis auf ein paar Möbelstücke. Ich war komplett überfordert damit, die Haltestelle und die richtigen Ausgänge in den Bahnhöfen zu finden sowie die Uhrzeit im Blick zu haben – es dauerte über eine Stunde, von dort zum Eurythmeum. Aber für Heimweh blieb mir keine Zeit – es gab so viel zu lernen! Zu allererst die deutsche Sprache, ich konnte ja kaum ein Wort.

Die Eurythmie hat mir sehr gefallen, die Bewegung, die Bilder, das Miteinander – mein Kurs war genial! Alle waren sehr herzlich, wir waren wie eine Familie.

Im zweiten Studienjahr hatte ich beim Osterabschluss ein besonderes Erlebnis: Ich war nicht aufgeregt wie sonst, alles war in Harmonie, ich war wie eingehüllt in die Laute und Töne. Das werde ich nie vergessen! Was war das Besondere, das das möglich gemacht hat? Ich suche noch nach einer Erklärung…

Nach drei Jahren flog ich zum ersten Mal wieder nach Hause, das war ein Kulturschock! Hier ist alles groß – zuhause ist alles klein, wie ja auch die Menschen in Peru kleiner sind.

Die Beschäftigung mit der Anthroposophie wurde mit der Zeit immer intensiver – ich hatte bald das Gefühl, es geht einfach nicht ohne. Und ich wollte auch erklären können, was ich mache. Das ist mir überhaupt ein großes Anliegen geworden: einen Weg zu finden, dass man die Eurythmie in sich selber entdecken kann. Denn das ist das Besondere, Heilende in der Eurythmie, diese tiefinnere Berührung…

Nach dem Masterabschluss begann ich an der Waldorfschule und in Laienkursen zu unterrichten. Es fiel mir zu Beginn schwer, Worte und Fragen zu finden, um den Menschen einen eigenen Zugang zur Eurythmie zu ermöglichen, und noch heute ist das eine Herausforderung für mich.

Stuttgart ist eine schöne Stadt, alles ist da, alles übersichtlich. Kultur, Konzerte und viel Grün. Auch das Wetter ist besser als im Norden, zumindest wenn es warm ist. Das brauche ich! Aber das Meer fehlt mir sehr.

Wir haben nicht viel Freizeit, aber wenn ich kann, gehe ich unbedingt raus, zum Beispiel, auf den Killesberg zu den Lamas und den Gärten. Die ruhigen Augen der Lamas erinnern mich an Zuhause und den Klang der "Quenas". Dort auf dem Hügel finde ich Raum zum Atmen und Platz für lange Spaziergänge.

Das Eurythmeum ist mir zum Zuhause geworden, ein Ort, an dem ich ein unmittelbares Verhältnis zur Eurythmie finden kann. Ich wünsche mir, dass das Eurythmeum auch für andere ein Zuhause sein kann, für die Suche, und für Entdeckungen.

Ich brauche Zeit für mich, Zeit um alleine zu üben, das fehlt mir manchmal im trubeligen Alltag zwischen Unterricht und Bühne. Die Grundelemente der Eurythmie immer wieder neu auszuarbeiten, das ist mir innere Nahrung, die ich in den Bühnenproben dann wieder einbringen kann.

Und so möchte ich meine Vision verwirklichen: dass der Zuschauer durch unsere Bewegungen sehen und erleben kann, dass es eine geistige Welt gibt, eine Kraft, die nicht nur irdisch ist. In der Eurythmie wird sie zur Anschauung, zum inneren Erlebnis, das berührt.

Um unsere Webseite für Sie optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung
OK