Colleen Campbell

sie macht mich stark.

Warum ich Eurythmie studiere? Diese Frage habe ich geträumt letzte Nacht, und dabei liefen mir im Traum die Tränen herunter.... Eurythmie macht mich stark, mit jedem Jahr werde ich ein bisschen stärker. Das Studium bedeutet, immer wieder herausgefordert zu werden, mich mit meinen Ängsten konfrontiert zu sehen – Ängste von denen ich zum Teil gar nicht wusste, wie tief sie in mir verankert sind. Aber sich damit auseinanderzusetzen bedeutet, den Umgang mit ihnen zu lernen – und immer stärker zu werden.

In der Eurythmie arbeitet man mit realen inneren Kräften, das macht es ein Stück schwerer, aber es berührt mich auch tiefer. Indem mich die Eurythmie in die Auseinandersetzung mit mir selbst führt, macht sie mich stark – und bereitet mich auf Sachen vor, die wichtig sind, wichtig sein werden. Aber wann ist das, was ich bewege, echt? Das ist eine große Frage! Wann mache ich etwas wahrhaftig, wann stelle ich mich nur selber dar? Ich bin da so sehr auf der Suche...

Am Eurythmeum gefällt mir die tägliche Routine, das gemeinsame in Bewegung kommen. Wenn ich mir nur nicht immer so viele Gedanken über alles machen würde, hätte ich es leichter – vor allem mit mir selbst!

Ich denke erstmal in Etappen, so die nächsten drei Jahre... Ich möchte die Ausbildung abschließen, und dann das Märchenjahr machen, vielleicht auch etwas Bühnenluft schnuppern... Was dann kommt, weiß ich noch nicht, vielleicht wartet ja auch noch etwas ganz anderes auf mich?

Wenn ich so an die letzten Jahre zurückdenke, hat mich eine Sache besonders beeindruckt: Wir haben Ballen und Lösen geübt mit Tania Mierau, da sollten wir durch den Rücken strahlen – und sie hat mir den Finger auf den Rücken gelegt und mir ganz genau gezeigt: „Da soll es herausstrahlen!“ Und dann hat sie uns erzählt, dass Else Klink ihr damals, als sie selbst Studentin war, auch den Finger auf den Rücken gelegt hätte – und dass sie das heute noch manchmal spüre....

Mein Lieblingsplatz in Stuttgart:

vincents sofa.

Stuttgart mochte ich am Anfang nicht so, ich komme von der Schwäbischen Alb und habe die Natur vermisst. Im ersten Jahr musste ich täglich zwei Mal an dieser Riesenbaustelle am Hauptbahnhof vorbeifahren... Aber inzwischen bin ich umgezogen und habe viele schöne Fleckchen Natur entdeckt – und außerdem sind wir ja sowieso die meiste Zeit des Tages im Eurythmeum, man kommt ja eigentlich kaum runter vom „Hügel“.

Spannend ist das Zusammensein mit meinem Kurs: obwohl wir uns täglich sehen und so intensiv miteinander zu tun haben, wissen wir so vieles nicht voneinander – man entdeckt immer wieder Neues an den Kurskollegen.

Was die Anthroposophie betrifft, erlebe ich mich als noch sehr unerfahren – die Bücher, die wir im Studium zusammen gelesen haben, waren für mich ein erster Anfang. Durch meinen Cousin lebte etwas Anthroposophie in meinem Umfeld, aber das blieb sehr im Unbewussten. Langsam kommen mir die Sachen nahe, ich fange an zu verstehen... Ich will mir Zeit dafür nehmen, meine Zeit. Das finde ich spannend – sehr sogar! Wenn plötzlich – jetzt! – der Moment kommt, wo man versteht.

Mit Vincent bin ich seit einem Jahr zusammen. Wir kennen uns eigentlich schon sehr lange: Ich bin in der 7. Klasse in die Waldorfschule gewechselt und war mit seinem Bruder in einer Klasse. Unsere Familien haben sich befreundet, wir feiern zusammen und kochen indisch, mein Vater ist nämlich Inder. Vincent studiert Ballett hier in Stuttgart, er wird dieses Jahr seinen Abschluss machen. Das ist schon eine sehr harte Ausbildung, die einen permanent fordert. Ich mache mir ja auch Leistungsdruck – aber im Ballett ist das nochmal was ganz anderes. Vincent ist etwas jünger als ich, hat aber schon neun Jahre Training hinter sich. Wir reden viel, wir können uns gegenseitig helfen in dem, was uns in unseren Ausbildungen begegnet.

Vincents Sofa hier in Stuttgart bedeutet für mich loslassen, sich akzeptieren, kennenlernen, auch ein Stück Selbstliebe erwerben. In diesem Jahr war meine Haut für mich ein Thema – das hat mich so geärgert! Vincent geht ganz liebevoll damit um. Das hat mir so gut getan: dass jemandem, dem ich gefallen möchte, ein Makel an mir nichts ausmacht.

Wenn ich über die Eurythmie nachdenke, würde ich mir wünschen, dass sie noch selbstverständlicher wird. Hajo Dekker erzählt viel von der Zeit mit Else Klink – ob die Eurythmie nochmal so eine Bekanntheit bekommt wie damals? So dass man bei Stuttgart nicht nur an Porsche, Mercedes-Benz und Ballett denkt, sondern genauso selbstverständlich auch an Eurythmie – das fände ich einfach richtig wunderbar!

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