Bibiana Rost

sie soll ein teil der welt werden.

Ich spiele Harfe seit ich 11 Jahre alt bin. Ich wusste schon mit 4 Jahren – das ist mein Instrument, mein Schicksal. Mit 16 Jahren bekam ich ein Stipendium für begabte Jugendliche an der Musikhochschule und bin dafür alleine von Freiburg nach Stuttgart gezogen. Parallel dazu bin ich in die Waldorfschule am Kräherwald gegangen und hätte dort auch fast mein Abitur gemacht – aber nach dem schriftlichen Teil kam das verlockende Angebot, auf einem internationalen Harfenkongress in Polen zu spielen, mit Liveübertragung in Radio und Fernsehen. Das überschnitt sich mit dem mündlichen Abitur, trotzdem war mir schnell klar, wofür ich mich entscheide... Meine Lehrer waren nicht sehr begeistert, aber ich habe es nie bereut.

Als ich das Eurythmeum damals zum ersten Mal sah, hatte ich das Gefühl, ich komme nach Hause. Es sah so vertraut aus...

Die Anthroposophie ist für mich ein ganz wichtiger Teil des Eurythmiestudiums. Meine Mutter, meine Paten, die meisten Freunde meiner Eltern waren Eurythmisten in Dornach und so bin ich eng verbunden mit der Eurythmie aufgewachsen. Ich habe schon mit neun Jahren mein erstes Buch von Steiner gelesen – die „Vorstufen zum Mysterium von Golgatha“. Für mein kindliches Verständnis damals war es wie Science Fiction – spannend, erschütternd und schaurig-schön! Aber ich spürte auch ganz stark: Das ist zutiefst wahr! Und noch heute lese ich Steiners Bücher zu den Evangelien am liebsten. Später musste ich mich irgendwann davon absetzen, von dieser Nähe – und konnte dann als Erwachsene alles wieder ganz neu entdecken.

Nun bin ich schon seit 20 Jahren in Stuttgart – und wollte doch eigentlich schnell wieder weg, damals. Denn wo kann ich hier über Feldwege, mit frischem Wind im Haar Fahrrad fahren? Alles ist voller Autos! Auf der anderen Seite hat mich diese Stadt sehr gut aufgenommen, ich kann hier konzertieren, Eurythmie studieren, unsere drei Kinder haben eine schöne Schule und wir haben viele Freunde hier. Eine Alternative für mich wäre der Norden oder die Region Dornach – aber das ist nicht die Welt meines Mannes. Wir sind beide Musiker, aber während ich klassische Konzertharfe spiele, ist er als Gitarrist seit 20 Jahren mit dem Stuttgarter Hip Hop verbunden.

Vor wenigen Jahren sind meine Eltern gestorben und ich hatte das Bedürfnis, mich weiter zu entwickeln, neue Impulse in mein Leben zu bringen. Und plötzlich tauchte die Eurythmie aus meiner Vergangenheit auf... Die Musik, die ich in mir habe, nicht nur durch das Instrument auszudrücken – das war schon lange eine Sehnsucht in mir.

„Bei den Tönen verbinden wir uns mit dem Kosmischen“ sagte einmal Tania Mierau, unsere Dozentin für Toneurythmie. Und ich hatte dann beim Üben das Gefühl zu fliegen – genau diese Verbindung habe ich gesucht. Das Musische, die Sprache – wenn ich den Raum spüre, den ich bewege, das ist das Höchste, das ist Glück. Durch die Eurythmie fühle ich mich verbunden mit der Schöpfung, und auf wunderbare Weise habe ich jetzt auch zum ersten Mal in meinem Leben begonnen, auf der Harfe zu improvisieren, sogar bei Konzerten.

Mein Lieblingsplatz in Stuttgart:

mein badezimmer.

Meine Musik, die Kinder, unser Garten, die Eurythmie, das ist alles ganz schön viel Arbeit. Ich habe mich deshalb einfach entschlossen, etwas weniger zu schlafen – und das funktioniert recht gut! Und wenn ich mich erholen will, ziehe ich mich ins Badezimmer zurück – in unserer kleinen Sauna kann ich völlig entspannen.

Am Eurythmeum schätze ich die freundlichen Dozenten, die vielen Aufführungen, besonders auch die Aufführungen des Märchenensembles. Manche Fächer wie z. B. Stabeurythmie und Sprachgestaltung würde ich sehr gerne öfter haben. Ich fände es auch toll, wenn wir noch mehr jahrgangsübergreifende Projekte hätten! Das ganze Eurythmeum, begleitet von der Waldorfphilharmonie, um mit einer großen Sinfonie die Konzertsäle zu füllen – das wäre mein Traum. Die Eurythmie soll ein Teil der Welt werden, darin sehe ich ihre Zukunft.

Um unsere Webseite für Sie optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung
OK