sie geht
aus dem licht
hervor.

Geschichte

Das Eurythmeum von den Anfängen bis heute

 

Rudolf Steiner und Marie Steiner-von Sivers: Die Gründung

Für den Sitz der ersten Schule für Eurythmie wünschen sich Rudolf Steiner und Marie Steiner-von Sivers eine kulturell lebendige Großstadt. Die Studierenden sollen sich in die Eurythmie vertiefen und gleichzeitig den Austausch und die Auseinandersetzung mit anderen künstlerischen Strömungen pflegen.

1921 wird Alice Fels mit dieser Aufgabe betraut, sie entscheidet sich für Stuttgart. 1923 wird die Schule offiziell eröffnet, 1924 kann das nach Plänen von Rudolf Steiner gebaute Eurythmeum eingeweiht werden.

„Können Sie das tanzen?“

Alice Fels: Die Aufbaujahre

Alice Fels (1884-1973) ist seit den ersten Anfängen mit der Eurythmie verbunden. Ihrer reifen und gebildeten Persönlichkeit (sie studierte in Mannheim, München und Jena) traut Rudolf Steiner die Begründung der ersten eigenständigen Eurythmieausbildung zu. Sie beginnt ab 1922, Kurse in Stuttgart zu geben und, in enger Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner, Marie Steiner-von Sivers und Ilona Molnár, das Eurythmeum als eine Eurythmieschule mit umfassendem kulturellen Bildungsangebot aufzubauen.

Sie hat einen hohen Anspruch an die künftigen Eurythmisten in Bezug auf intensive Vertiefung und eigenständige Arbeit.

Alice Fels ist bekannt dafür, kaum etwas vorzumachen und die werdenden Eurythmisten alle Gesten aus sich selbst heraus finden zu lassen. Sie kann die Studenten mit fesselnden Erzählungen befeuern und korrigiert mit Klarheit und Strenge.

Nach der vorübergehenden Schließung der Schule 1930 zieht Alice Fels nach Dornach, wo sie viele Jahrzehnte lang die Arbeit am Goetheanum begleitet, Vorträge hält und Aufsätze schreibt.

Rudolf Steiner brachte jederzeit Leben, Phantasie, Freude und Temperament in die eurythmische Tätigkeit. Müdigkeit durfte es nicht geben. Als alles einmal bieder und phlegmatisch ablief, sprang er vom Sitz auf, und in voller Lautstärke rief er: „Leben in die Bude! Leben in die Bude!“ Das wirkte wie ein Wind im Sommer...

Alice Fels, die erste Leiterin des Eurythmeum Stuttgart
 

Else Klink: Künstlerische Blütezeit

Mehr als 50 Jahre lang prägte Else Klink (1907-1994) die Arbeit am Eurythmeum. In ihr vereinigte sich eine hohe künstlerische Empfindsamkeit mit urwüchsiger, unverbrauchter Lebenskraft. Sie war couragiert, klar denkend und kraftvoll — die beste Voraussetzung, um auch in schwierigen Zeiten künstlerisch bestehen zu können.

In Polynesien geboren kommt Else Klink mit 6 Jahren nach Deutschland, um in Freiburg zur Schule zu gehen. In der kinderreichen Künstlerfamilie Wolffhügel fühlt sie sich sehr wohl. Rudolf Steiner wird bereits damals auf das Mädchen aufmerksam und empfiehlt Eurythmiestunden. Nach dem Umzug der Wolffhügels nach Stuttgart besucht Else Klink die Waldorfschule und beginnt gleichzeitig auf Anregung Rudolf Steiners schon mit 16 Jahren die Eurythmieausbildung bei Alice Fels.

1929 geht Else Klink für drei Jahre nach Holland, anschließend überträgt Marie Steiner ihr die Leitung des Eurythmeum Stuttgart.

Mit Mut und Geistes­gegenwart gelingt es Else Klink immer wieder,

Sondergenehmigungen für die Fortführung der Ausbildung am Eurythmeum auch in der Zeit des Nationalsozialismus zu erwirken.

1944 wird das Eurythmeum von Bomben getroffen. Else Klink zieht auf die Schwäbische Alb und erarbeitet sich im Stillen ein großes eurythmisches Repertoire. Gleich nach Kriegsende beginnt sie in Köngen am Neckar wieder mit eurythmischer Ausbildungs- und Bühnenarbeit.

„Jede Eurythmie­gebärde geht aus dem Licht hervor – ist sonnenhaft und bildet Licht.“

In den folgenden Jahren entwickelt sich die Bühnen­gruppe am Eurythmeum zum führenden Eurythmie-Ensemble weltweit.

Else Klink gelingt es darüber hinaus, auch eine breite Öffentlichkeit für die Eurythmie zu begeistern, was sich zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit Opernregisseuren wie Götz Friedrich ausdrückt. Höhepunkte aus ihrem vielfältigen Schaffen sind eine Reise nach Rumänien noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs (1974), die Einladung zum „Festival de la Danse“ in Paris (1975) und Ibsens „Peer Gynt“ (1983).

Klinks solistische Auftritte erreichen höchsten künstlerischen Rang. Herausragend sind ihre Darstellungen der Dritten und Fünften Hymne an die Nacht zum 200. Todestag von Novalis im Staatstheater Stuttgart.

Zahlreiche Gastspielreisen führen Else Klink und ihr Ensemble in die USA, nach Kanada, Rumänien, Skandinavien, Japan, Australien, Neuseeland und Russland. Im Jahr 1986 erhält sie das Bundesverdienstkreuz.

Mit 84 Jahren übergibt sie die Leitung des Eurythmeum an Michael Leber, Isolda Sagrestano, Christa-Maria Schmidt, Benedikt Zweifel und Uta Diedrichsen. 1994 stirbt Else Klink, kurz vor ihrem 87. Geburtstag.

 

„Der Gedanke muss in der Eurythmie direkter Wille werden.“

Michael Leber / Benedikt Zweifel: Über die Jahr­tausend­schwelle

Mit dem Tod von Else Klink endet in Stuttgart eine Ära, und die künstlerische Blütezeit der 1980er Jahre, die in ganz Europa große Eurythmieaufführungen möglich macht, klingt langsam aus. Zum Ende des 20. Jahrhunderts gerät die Eurythmie in eine Krise, die Ausbildungszahlen gehen überall zurück, Schulen werden geschlossen, Ensembles lösen sich auf. Am Eurythmeum Stuttgart wird die Arbeit trotzdem kontinuierlich weitergeführt, auch wenn die Ausbildungskurse zeitweise etwas kleiner werden.

Gemeinsam mit Christa-Maria Schmidt und Isolda Sagrestano führen Michael Leber und Benedikt Zweifel viele Generationen von Studenten zu ihren Abschlüssen und tragen die Eurythmie durch schwierige Zeiten über die Jahrtausendschwelle.

Mit der Zeit wird auch eine dreijährige Bühnenausbildung aufgebaut, in der junge Eurythmisten im Märchenjahr und als Bühnenstudenten künstlerische Erfahrungen sammeln können.

Michael Leber gelingt es, Aufführungen in fast allen Kontinenten zu organisieren und der Stuttgarter Eurythmie weiterhin weltweite Wirkung zu verschaffen. Höhepunkte sind u.a. zwei Tourneen in die U.S.A. (1997 und 2004) sowie Reisen nach Neuseeland, Japan, Thailand und Südkorea (1998 und 2001).

Zusammen mit Tania Mierau vollzieht er 2011 die Umstellung der Eurythmieausbildung in einen Bachelor-Studiengang in Kooperation mit der Freien Hochschule Stuttgart. Dafür werden das Curriculum überarbeitet und den Studenten durch die Zusammenarbeit erweiterte Perspektiven angeboten. Darüber hinaus bedeutet der Bachelorabschluss für die vielen ausländischen Studenten eine berufliche Anerkennung in ihren Heimatländern.

Benedikt Zweifel verwirklicht gemeinsam mit Carina Schmid, die von 1999 bis 2011 die Goetheanum Eurythmiebühne leitet, eine ganz neue Form der Zusammenarbeit:

Mit ihren beiden großen Ensembles können sie zwischen 2003 und 2009 drei große Symphonie-Eurythmie-Tourneen realisieren, die in über hundert Aufführungen in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Spanien, Schweden und Russland die Eurythmie auf die großen Bühnen bringt und den Schulen im Anschluss daran einen spürbaren Studentenzuwachs bescheren.

Der mutige Schritt, zwei verschiedene künstlerische Stile in einer gemeinsamen choreographischen Arbeit zusammenzuführen, offenbart eine besondere Verbundenheit zwischen den beiden Bühnenleitern. Im Anschluss an die Sinfoniearbeit gehen sie mit einem gemeinsamen Duoprogramm „Time...and again“ auf Tournee und greifen einige Jahre später für das Programm „Kontraste“ am Eurythmeum die choreographische Zusammenarbeit wieder auf.

„Die Eurythmie als Schwellenkunst führt das Räumliche ins Zeitliche und das Zeitliche ins Räumliche über. So offenbart sie den inneren Menschen in der sinnlichen Erscheinung.“

Nach fast dreißig Jahren findet dann eine schrittweise Übergabe von Leitungsaufgaben an die nächste Generation statt:

2016 übergibt Michael Leber die Eurythmeums- und Schulleitung an Tania Mierau, 2018 überträgt Benedikt Zweifel die Bühnenleitung an Severin Fraser.

 

Tania Mierau / Severin Fraser & Kollegen: Neue Wege

Tania Mierau und Severin Fraser haben es sich zur Aufgabe gemacht, Tradition und Moderne zu verbinden. Sie sehen das Eurythmeum als einen offenen Ort, an dem in kollegialer Zusammenarbeit aller Dozenten und Bühnenmitglieder die Aufgaben der Zeit schwungvoll ergriffen werden.

Die junge Dozentenschaft bereichert die Ausbildung mit neuen Impulsen und sucht gemeinsam mit den Studierenden nach Wegen und Formen, den Schatz der Vergangenheit zu bewahren und gleichzeitig den Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft gerecht zu werden. Dabei stehen die Bildung der Persönlichkeit und das Ergreifen des eigenen künstlerischen Potenzials weiterhin an zentraler Stelle.

Undogmatisch und zukunftsorientiert

möchten die Menschen, die heute am Eurythmeum arbeiten, die Eurythmie als Kunstform in der Welt vertreten und ihre Zusammenarbeit künstlerisch und menschlich so wahrhaftig als möglich gestalten.

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